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Die Jahre 1939-1953

Der 2. Weltkrieg und der Neubeginn

Es ist seit Beendigung des Zweiten Weltkrieges so viel von Freund und Feind, über Ursache, Entwicklung und Ausgang dieses furchtbarsten aller Kriege geschrieben worden und manch Älterer hat leider diesen bitteren Kelch bis zur Neige leeren müssen, so dass es sich erübrigt, das damalige Geschehen noch einmal in seiner grausigen Form aufleben zu lassen.

Fest steht jedenfalls die Tatsache, dass damals ein Erbe angetreten werden musste, welches an Trostlosigkeit, Not und innerer Zerrissenheit in unserer gesamten Geschichte einmalig dasteht.

Jeder hatte mit sich selbst und seinen privaten Sorgen in Hülle und Fülle zu tun, so dass kein Raum und keine Zeit blieb, sich um Gesellschafts- oder Vereinsleben zu kümmern. Die Borussia beklagte den Verlust von 16 Aktiven, die ihr junges Leben für die Ziele eines irrsinnigen Systems lassen mussten.

Trotz aller Widernisse fanden sich aber schon im Jahre 1946 wieder Unentwegte zusammen, um den Fußballsport wieder aufleben zu lassen. Eine bunt zusammengewürfelte Mannschaft in noch bunterer Kluft machte den ersten Spielversuch und mit einem Schlage lebte das Interesse an der Borussia wieder auf.

Eine im Saale Gruhn im Sommer 1946 einberufene Versammlung befasste sich mit der Wiedergründung, beseelt von dem alleinigen Gedanken, die Borussia wieder hoch und den Spielbetrieb wieder in Gang zu bringen.

Aber ein trauriges Erbteil des Krieges, ein unvernünftiger politischer Hass, zwang sehr viele alte Sportpioniere dazu, abseits zu stehen. Trotzdem wurde im Stillen weitergearbeitet.

Unter dem Vorsitz des Sportkameraden Josef Gohr, welcher, das soll hier ausdrücklich erwähnt werden, keine Mühe und keine Arbeit im Dienste des Vereins gescheut hat, blühten das Vereinsleben und der Sportbetrieb trotz der schweren Zeit wieder auf und im Jahre 1947 stand unsere 1. Mannschaft wieder mit vollständig neuer Kluft auf dem grünen Rasen. Dass sie auch sportlich wieder da war, bewiesen der nun folgende Aufstieg in die erste Kreisklasse und mehrere Pokalsiege.

Nicht zu vergessen sind die Leute, die sich die größte Mühe mit dem Spielbetrieb als solchem gegeben haben. Spielausschussobmann Arnold Schumacher, Anton Prumbach, Franz Reitz I, alte erfahrene Spieler wie Willi Bardenberg, Johann Bauer und andere waren immer wieder zur Stelle, wenn die Vergangenheit ihre Schatten warf und Krisen heraufbeschwor.

Eintragung ins Vereinsregister

Mit einer Änderung der Satzung wurde auch der Eintrag ins Vereinsregister beantragt. Darin heißt es: >Die Satzung ist am 11. April 1948 errichtet. Vorstand im Sinne des § 26-888 sind der Vorsitzende des Vorstands und der 1. Schriftführer<. Auf eine frühere Eintragung ins Vereinsregister hatte man damals einzig und alleine aus organisatorischen und finanziellen Gründen verzichtet. Nachdem dieser Schritt vollzogen war, konnte sich die Borussia das Anhängsel >e.V.< geben und war somit nach Geschäftsgebaren ein eingetragener Verein.

Doch war längst nicht alles in Ordnung. In wenigen Jahren wechselte der Vorstand dreimal, bis sich die Lage durch die Übernahme des Vorsitzes durch Barthel Bürger stabilisierte und wieder in geordneten Bahnen verlief.

Schwere Kämpfe musste unsere 1. Mannschaft bestehen, um den Verbleib in der 1. Kreisklasse zu sichern, was letztendlich dann doch nicht gelang. Aber krisenfest, wie die Borussia schon damals war, wurde auch der Abstieg überstanden, zumal in der Jugendmannschaft ein Nachwuchs heranreifte, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigte.

Karnevalistische Feste

Aber nicht nur in sportlicher Hinsicht sondern auch in gesellschaftlicher Beziehung war der Verein wieder führend.

Kameradschafts- und bunte Abende führten im Jahre 1949 zur Gründung einer karnevalistischen Abteilung, deren Veranstaltungen unter der Präsidentschaft des Sportkameraden Heinz Schulte und unter Mitwirkung von Arnold Claaßen und anderer bewährter Mitglieder, ein voller gesellschaftlicher Erfolg nach innen und außen wurden. Von 1950 bis 1953 fanden alljährlich erfolgreiche Kappensitzungen statt. So gondelte der Elferrat 1950 in einem Narrenschiff über die Bühne. Es wurden auch Karnevalsumzüge mit Beteiligung aller Ortsvereine organisiert. So stand der Umzug der Session 1952/53 unter dem Motto >Alles onger ene Hot<.

Die Jahre 1953- 1963

Das Vereinsgeschehen

Gerne werden sich diejenigen Bewohner von Derichsweiler an das 50-jährige Jubelfest des FC Borussia im Jahre 1953 erinnern, die mit einer großartigen Anteilnahme den wesentlichen Grundstein für das Gelingen des gesamten Festgeschehens legten. Wir betrachten es heute noch als Ehrenpflicht, der gesamten Einwohnerschaft unseres Heimatortes Derichsweiler Dank zu sagen, die damals mit einer einmalig großen Illumination des ganzen Ortes sowie durch rege Teilnahme am Festkommers und am Sportgeschehen der gesamten Festwoche ihr Interesse an unserer Borussia bekundeten.

Doch Feste, und seien sie noch so wunderbar, vergehen und müssen dem nüchternen Alltagsleben Platz machen.

Als bittere Tatsache, man könnte es fast als Ironie des Schicksals bezeichnen, musste ausgerechnet im Jubeljahr der Abstieg unserer 1. Mannschaft aus der 1. in die 2. Kreisklasse hingenommen werden.

Aber krisenfest und von robuster Konstitution konnte auch dieser Betriebsunfall die Borussia nicht unterkriegen.

Das Vereinsheim

Dank dem großen Einsatz unseres damaligen 2. Vorsitzenden Heinz Schulte wurde im Jahre 1954 das Sportheim am Martinusplatz errichtet, das heute als Altenklubheim dient. Für die damalige Zeit ein wesentlicher Fortschritt und längst noch keine Selbstverständlichkeit war die nun gegebene Tatsache, dass es unseren, aber auch den Gastmannschaften nunmehr möglich war, ein reibungsloses Umkleiden und Duschen zu bewerkstelligen und somit auch einen pünktlichen Spielanfang und -ablauf zu garantieren. Außerdem passte sich dieses Heim dem allgemeinen Dorfbild und unserer damaligen Sportplatzanlage malerisch an. Die Einweihung und Übergabe fand am 15. August 1954 statt. Ehrengäste waren der damalige Vorsitzende des Fußballverbandes Mittelrhein, Alfons Kierdorff, der Vorsitzende des Fußballkreises Düren, Paul Pickart, der Kreisjugendpfleger Joisten, der Gemeinderat sowie Abordnungen aller Ortsvereine. Verbandsvorsitzender Kierdorff, der den Schlüssel übergab, betonte in seiner Ansprache, dass die Türen des Hauses allen Jugendlichen offen stehen sollten. „Die Jugend aus den Wirtshäusern heraus!“ – das sei die Verpflichtung zu der sich der FV Mittelrhein bekenne. Jugendpflege und Jugendbildung seien die schönsten Aufgaben eines Vereins.

Der sportliche Ablauf

Mit allen Mitteln wurde daran gegangen, die Scharte des Abstiegs auszuwetzen. Ein neues Ziel war damit gesetzt und musste erreicht werden. Die Vereinsleitung lag immer noch in den bewährten Händen unseres Sportkameraden Barthel Bürger, der energisch auf dieses Ziel lossteuerte und im Jahre 1956 auch erreichte. Die Borussia gehörte wieder der 1. Kreisklasse an. Der Löwenanteil an diesem Aufstieg gehörte natürlich der immer wieder durch junge Spieler aus der eigenen Jugend verstärkten 1. Mannschaft.

Das sportliche Geschehen ging weiter. Es stellten sich weitere Erfolge ein. Im Jahre 1957 gelang es der 1. Mannschaft, bei einer Veranstaltung des Sportvereins Schwarz-Weiß Düren im Jugend-Stadion, die ausgestellte Siegestrophäe – in Form einer kompletten Mannschaftskluft – als Sieger gegen zum Teil höherklassige Mannschaften zu gewinnen. Dass derartige Ereignisse den Zusammenhalt, die Zuversicht und den Kampfgeist der Mannschaft stärkten und anspornten, versteht sich von selbst.

Es wurde nun ein planmäßiges wöchentliches Training eingeführt. Kaspar Welter, durch und durch Turner und Sportsmann, übernahm es in seiner ruhigen und selbstlosen Weise, die Mannschaft weiter auszubilden. Es wurde fleißig und eisern trainiert. Die Früchte dieser Ausbildung zeigten sich schon im folgenden Jahre 1958, als es gelang, den Gruppensieg in der damals zweigeteilten 1. Kreisklasse zu erringen. Sieger der anderen Gruppe und damit Gegner in den Aufstiegsspielen war die Columbia aus Drove. Nach einer 0:1 Niederlage in Drove und einem überzeugenden 6:1 Heimerfolg, musste ein drittes Spiel über den Aufstieg in die Bezirksliga entscheiden, da das Torverhältnis damals noch keine Bedeutung hatte. In Begleitung einer großen Anhängerschaft gelang der Borussia auf neutralem Platz in Birkesdorf ein 3:2 Sieg. Ein Erfolg, der nach Rückschlägen der früheren Jahre nicht hoch genug bewertet werden konnte. Im Siegestaumel des Erfolges trat die Mannschaft die Heimreise in einem Autocorso an. Die Feiern in unserem Heimatort wollten gar kein Ende nehmen, hatte man schließlich das absolute Sahnehäubchen unserer Vereinsgeschichte aufgesetzt.

Ab der Saison 1958/59 spielte unsere 1. Mannschaft nunmehr in der Bezirksklasse Rur-Erft Staffel 4 um Punkte und brachte uns hochkarätige Gegener aus den Kreisen Bergheim und Euskirchen, wie etwa Jugend 07 Bergheim, RW Berrendorf, SW Stotzheim (mit Toni Regh, dem späteren Amateurnational- und Bundesligaspieler des 1. FC Köln), SC Euskirchen, TuS Mechernich, TuS Ülpenich und Erfa Gymnich. Aber auch die Lokalkämpfe gegen Viktoria Birkesdorf, FC Gürzenich, TuS Langerwehe, Alemannia Lendersdorf, SC Merzenich und später auch Viktoria Schlich sollen nicht unerwähnt bleiben.

Im Jahre 1959 feierte unser Nachbarverein FC Gürzenich 1909 sein 50-jähriges Bestehen. In dem hier in der Festwoche veranstalteten Turnier hieß der Sieger wieder FC Borussia Derichsweiler und es wurde ein wertvoller Jubiläumspokal mit nach Hause genommen. Übrigens eines der schönsten, wenn nicht das schönste Stück unserer Pokalsammlung. Es muss hier deutlich unterstrichen werden, dass alle diese Erfolge nur möglich waren, weil wir über eine 1. Mannschaft verfügten, die das Motto unserer Vereinsstandarte >Elf Freunde müsst ihr sein, um Siege zu erringen<, zu ihrem Führungsspruch gemacht hatte und in kameradschaftlicher Freundestreue zusammenhielt.

Sportkamerad Kaspar Welter trat im Laufe des Jahres von seinem Amt als Trainer zurück und es sei ihm heute nochmals recht herzlich gedankt für seine selbstlosen Bemühungen, die sämtlich ehrenamtlich und ohne Bezahlung erfolgten, welche die Mannschaft aber ein gutes Stück weiter gebracht hatten.

Als sein Nachfolger wurde mit Peter Müller aus Düren erstmals ein besoldeter Trainer engagiert, der als Spieler der legendären Meistermannschaft der SG Düren 99 aus dem Jahre 1946 angehörte, eine Mannschaft, die ein Stück Sportgeschichte im Dürener Raum geschrieben hatte. Er war ehrgeizig und nahm sich gewissenhaft dieser Aufgabe an und verpasste der Mannschaft den letzten Schliff. Unter seiner Regie errang die Borussia 1959 die Vizemeisterschaft der Bezirksklasse und verfehlte nur ganz knapp den Aufstieg in die Landesliga.

Karnevalistisches Geschehen

Nachdem in Jahre 1954 sogar der Dürener Karnevalsprinz Karl-Heinz Joerger (bekannt geworden als „Bützprinz“) seine Aufwartung in Derichsweiler gemacht hatte, fanden in den Jahren 1956 und 1957 keine karnevalistischen Feste mehr unter der Regie der Borussia statt. Dies veranlasste 1957 den Kegelklub „Gemütlichkeit“ zur Durchführung einer wohlgelungenen Sitzung, die wieder unter der Leitung unseres Sportkameraden Heinz Schulte ablief. Es entwickelte sich mehr und mehr der Wunsch das Karnevalsgeschehen unter einem eigenen Vereinsdach abzuwickeln. Daraufhin spaltete sich die karnevalistische Abteilung in diesem Jahr von unserem Verein ab und gründete unter dem Vereinsnamen „Blau-Weiße Sterne“ eine Karnevalsgesellschaft, die heute weit über die Grenzen unseres Kreises hinaus, sich einen guten Namen erworben hat.

Es soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, dass durch diese karnevalistischen Aktivitäten ein großer finanzieller Beitrag dem Verein zu Gute kam, der notwendig war, die hochgesteckten Ziele der Borussia verwirklichen zu können.

Führungswechsel

Im Jahre 1960 legte der Vorsitzende Barthel Bürger sein Amt als Vorsitzender nieder, welches er 24 Jahre lang bekleidet hatte. Auch ihm sei herzlich gedankt für seine uneigennützige, aufopfernde Arbeit und Bemühungen im Interesse unseres Vereins. Nach ihm wurde wieder ein ehemaliger aktiver Spieler, Sportkamerad Hermann Hilgers, mit dem Amt des 1. Vorsitzenden betraut.

Das Sportgeschehen lief weiter, wechselnd mit Sieg und Niederlage. Auf jeden Fall gelang es, mit guten Mittelfeld- und sogar mit Spitzenplätzen, den Verbleib in der Bezirksklasse zu sichern. Im Jahre 1961 übernahm der an der Volksschule tätige Lehrer Heinz Freyschmidt den Trainerposten