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Nach Aufzeichnungen des Gründers Johann Kronen, des Ehrenmitgliedes Wilhelm Ruland sowie unter Verwendung des Archivs des FC Borussia und der Festschriften aus den Jahren 1978 und 2003.

Die Gründerjahre 1903-1914

Das erste Zusammentreffen

Das genaue Gründungsdatum ist dem ersten Protokoll nicht mehr zu entnehmen. Fest steht aber, dass sich an einem Sonntagmorgen im Mai 1903 eine stattliche Anzahl junger Männer im Garten des Franz Werres im Oberdorf zusammen gefunden hatte, um eine wichtige Angelegenheit zu diskutieren. Es wurde leidenschaftlich debattiert, teils geordnet, teils aber auch wild durcheinander redend.

Diese Versammlung war von großer Bedeutung, denn hier schlug die Geburtsstunde, die Gründung unserer Borussia. Die Zusammenkunft weckte den Anschein einer geheimen Verschwörung, aber was sollten die Gründerväter machen? Erstens konnte man sich zu damaliger Zeit mit 16 oder 17 Jahren nicht in einer Gastwirtschaft sehen lassen und zweitens war die Tagesordnung mit dem einzigen Punkt, der da hieß: „Gründung eines Fußballclubs“ nicht unbedingt für die breite Öffentlichkeit bestimmt. Besorgte Eltern waren alles andere als begeistert, wenn sich ihre Söhne für die Sportart Fußball interessierten. Denn der Fußballsport war erst kurz vor der Jahrtausendwende aus dem Mutterland England ins übrige Europa transferiert worden und besaß in der Bevölkerung keinerlei Ansehen.

Doch die Begeisterung unserer Gründer für den Fußballsport ließ sie alle Schwierigkeiten übersehen, die sich ihnen bei der Ausführung ihres Gedankens hätten entgegen stellen können.

Wer waren die jungen Männer, die damals den Grundstein unserer Borussia legten: Josef Helge, Johann Kronen, Heinrich Werres, Werner Schüller, Leo Schüller, Werner Schönen, Christian Voiß, Johann Stüttgen, Peter Meisen, Peter Claaßen, Josef Becker, Josef Schmitz, Martin Schmitz, Carl Claßen, Josef Kronen, Jakob Gast, Josef Stüttgen, Martin Schleip, Johann Breuer, Leo Prumbach, Johann Heiß und Hubert Hahn.

Bei dieser Zusammenkunft wurde nun einstimmig beschlossen, einen Fußballklub zu gründen. Waren auch allen noch die Begriffe „Geschäftsführender Vorstand, Vereinsleitung oder Statuten“ mehr oder weniger fremd, so wurde doch ein Vorstand gewählt.

Heinrich Werres als Vorsitzender und Schriftführer in Personalunion, Johann Kronen als Kassierer und Josef Helge als Spielführer bekleideten die ersten Funktionen in unserem Verein. Die übrigen Versammlungsteilnehmer meldeten sich sofort als Mitglied an, worauf Leo Schüller eine Mitgliederliste zusammenstellte. Um einen ordnungsgemäßen Spielbetrieb aufzubauen, spielte auch damals schon Geld eine wichtige Rolle. Das Eintrittsgeld wurde auf 0,50 RM, der Monatsbeitrag auf 0,20 RM festgesetzt.

Nach heutiger Währung sind dies 15 bzw. 26 Cent, aber welcher Opfermut damals damit verbunden war, werden wohl nur diejenigen begreifen, die sich damals mit einem fürstlichen Sonntagsgeld von 30 bis 50 Pfennigen begnügen mussten. Diese erste Versammlung wurde mit einem hohen Maß an Begeisterung für den Fußballsport beendet. Nun ging der Spielbetrieb zunächst an den Abenden der Wochentage los. Gespielt wurde auf der Konzwies, auf dem Schießplatz und im Zehgarten. Nicht selten wurden die Aktiven von der donnernden Stimme eines Bauern von der durch sie beschlagnahmten Wiese verjagt. Einen Platzaufbau nach heutigen Maßstäben gab es nicht. Die Torpfosten wurden mit hölzernen Bohnenstangen, die einfach in die Erde gesteckt wurden, markiert. Auf die Querlatte wurde großzügig verzichtet und Spielfeldmarkierungen gab es keine. Da niemand die richtigen Regeln beherrschte, lief man mehr oder weniger kultiviert einem kleinen Ball hinterher. So verging die erste Zeit auch ohne einen richtigen Fußball und einem entsprechenden Platz.

Festlegung des Namen und der Vereinsfarben

Ganz allmählich kam ein klein wenig System in das Spiel, und erst einige Wochen später kam es zu einem zweiten Zusammentreffen. Auf dieser Versammlung wurden dem Verein Namen und Farbe verliehen. Nach verschiedenem Hin und Her kam es schließlich zu einer Einigung und man nannte den Club >Fußballklub FC Borussia Derichsweiler<, wie er auch heute noch heißt. Bei der Gelegenheit wurde auch die Farbe des Vereins ausgesucht. Da „Borussia“ Preußen bedeutete und Preußen in der sogenannten guten alten Zeit die Farben schwarz und weiß hatte, wurde auch unsere Sportkleidung schwarz und weiß. Unter großen finanziellen Schwierigkeiten wurde die erste Kluft angeschafft. Alles aus eigenen Mitteln und manche sorgende Mutter hat nie geahnt, wo die 20 Pfennige blieben, die sie ihrem Jungen morgens zusteckte, um Belag für das Frühstücksbrot zu kaufen. Frau Farber und Schneidermeister Stüttgen schneiderten die ersten Blusen, sogenannte Hemdblusen mit schwarzen Aufschlägen und schwarzer Tasche auf der linken Brustseite.

Erster Lederball, Fußballschuhe und Platz

Ein Jubel sondergleichen brach los, als der erste Lederfußball über den grünen Rasen rollte. Mit welcher Ehrfurcht wurden die ersten Fußballschuhe bestaunt und gehegt und gepflegt, denn sie kosteten fast ein Vermögen. Fußball wurde sonntags bis in den späten Abend hinein gespielt und in der Woche nur dann, wenn die Zeit es zuließ. Lange hat es gedauert, bis ein richtiger Fußballplatz zur Verfügung stand. Dieser bestand aus einer Wiese im Ellerbroich (westlich vom Lintes am Krummer-Bach)die der Verein vom Landwirt Johnen gepachtet hatte. Die Wiese wurde so gut es ging für den Spielbetrieb zurecht gemacht, auch hier alles aus eigenen Mitteln. Es wurden neue Mitglieder gewonnen, es floss mehr Geld in die Vereinskasse und man war nunmehr in der Lage richtige Spiele untereinander austragen zu können. Dass es etwas rau zuging und die Fußballer damals in unserem Ort, wie überall, nicht in allzu großem Ansehen standen, ja sogar verachtet wurden, weil sie mit nackten Knien auftraten oder dass manch einem unserer Gründer in stiller häuslicher Stunde vom Vater auf etwas handgreifliche Art versucht wurde, die Fußballbegeisterung auszureden, sei hier noch nebenbei erwähnt. Jedenfalls stießen die Fußballer überall auf großen Widerstand, so dass an Zuschauer bei den Spielen gar nicht zu denken war.

Erstes Wettspiel

Aber es ging trotz aller Widrigkeiten langsam aufwärts, da man sich allen Widrigkeiten zum Trotz nicht entmutigen ließ und nach gut einem halben Jahr wurde es schon gewagt, auf andere Dörfer zu ziehen und dort Wettspiele auszutragen. Transportschwierigkeiten gab es damals keine, weil alles zu Fuß ging. Niemals vergaßen die Beteiligten den Jubel und die Freude, als sie vom ersten Wettspiel in Arnoldsweiler als 2:0-Sieger heimkehrten.

Wahl des Vereinslokals

Die Entwicklung ging weiter und langsam fasste das Vereinsleben festen Fuß. Da die Gründer nun in einem Alter waren, in dem sie ein Gasthaus besuchen durften, entschloss man sich ein Vereinslokal zu bestimmen. Sie wählten die Wirtschaft Augustin, heute Kerp.

Ein richtiger Verein

Allmählich gewann der Club an Bedeutung und wurde zu einem richtigen Verein. An jedem ersten Sonntagmorgen im Monat fanden Versammlungen statt, bei denen alle vereinsinternen Angelegenheiten besprochen und geregelt wurden. Der Vorstand wurde komplettiert und der Spielführer, der automatisch dem Vorstand angehörte, übernahm die Leitung auf dem Spielfeld. Endlich gab man sich nun auch ordnungsgemäße Statuten.

Bis zum Jahre 1910 gab es mehrere Wechsel auf dem Posten des 1. Vorsitzenden. So folgten Heinrich Werres die Sportkameraden Johann Kronen, Leo Prumbach und Martin Schmitz die Leitung der Borussia. Der Mitgliederzustrom hielt an. Der Fußballsport gewann immer mehr Interessenten und Freunde und als im Jahre 1910 unser späterer Ehrenvorsitzender Matthias Kronen als 1. Vorsitzender den Verein übernahm, war die Borussia schon ein Faktor, mit dem man im dörflichen Vereinsleben zu rechnen hatte.

Einführung des Fußballbezirkes Düren

Der Fußballsport trat nun nach und nach seinen Siegeszug an und als er sich in unserer Region immer mehr ausdehnte, richtete der Westdeutsche-Spielverband, als Unterorganisation des DFB für Düren den „Bezirk Düren“ ein. Hatte man bis dahin noch die Spiele mehr als gesellschaftliches Ereignis betrachtet und nach Belieben den Gegner, die Zeit und den Spielort gewählt, so entstanden nun Spielklassen und Gruppeneinteilungen sowie eine straffe Regelung des Spielablaufes. Der Bezirk Düren beschloss die Einteilung der Borussia in die C-Klasse, sowie die Gründung einer Schiedsrichter-Vereinigung, zu der jeder Verein je nach Stärke mindestens ein Mitglied zu melden hatte, welches an den Belehrungsabenden teilnehmen musste. Im Sommer des Jahres 1914 wurde ein Fußball-Kursus mit einem Dozenten aus dem Fußball-Mutterland England durchgeführt, zu dem Teilnahmepflicht bestand.

Als Abgesandter der Borussia nahm Johann Kronen an beiden Lehrgängen teil.

Die Platzfrage

Der Zustrom an Mitgliedern hielt weiter an, so dass eine zweite Mannschaft gebildet werden konnte und der Verein nunmehr auch inaktive Mitglieder hatte. Um die Kameradschaft weiter zu fördern und sich der Bevölkerung besser zu präsentieren wurde ein Winterfest mit Theater und Verlosung organisiert, welches aber nur auf wenig Gegenliebe stieß. Dies zeigt, dass der Fußballsport immer noch nicht den Stellenwert einnahm, den er eigentlich verdient gehabt hätte.

Die größte Sorge blieb die Platzfrage und manche Krise und Schwierigkeit mussten bewältigt werden. Der Platz am Ellerbroich hatte bald wieder abgegeben werden müssen. Daraufhin hatte der Metzgermeister Fromm eine Wiese in den Schlicher Benden zur Verfügung gestellt, was aber auch nicht von langer Dauer war. Dieses ständige hin und her führte bei den Spielern zu einer gewissen Lustlosigkeit, da es kaum möglich war ordentliche Übungsspiele durchzuführen.

Ein Meilenstein in der Clubgeschichte war dann die Anmietung eines neuen Spielfeldes, welches hinter dem Driesch lag und vom Eigentümer Franz Müller gegen eine jährliche Pachtsumme von siebenhundert RM dem Verein überlassen wurde. Da es sich für die damaligen Verhältnisse um eine horrende Summe handelte, wurde der Pachtvertrag nur schweren Herzens unterschrieben. Nur unter Aufbietung aller Kräfte, der Aktiven wie der Inaktiven, konnte dieser Gewaltakt durchgeführt werden, aber was ist ein Fußballverein ohne entsprechenden Platz?

Fest steht, dass die Borussia im Jahre 1914 auf dem grünen Rasen Klang und Namen hatte. Elf Jahre Kameradschaft, Gemeinschaftsgeist und Opferbereitschaft waren das Fundament, auf dem der Bau unserer Borussia errichtet worden war und nun fest und sicher dastand. In dieser, man möchte fast sagen, automatischen Entwicklung, spielte sich nun das weitere Vereinsleben ab.